Lethale Featurietis – CMOAR VR Brille tot

Hat mit dem ursprünglich vorgestellten Projekt nicht mehr viel zu tun - CMOAR VR-Brille (Bild: ©cmoar)

Hat mit dem ursprünglich vorgestellten Projekt nicht mehr viel zu tun – CMOAR VR-Brille (Bild: ©cmoar)

Schade, schade, mal wieder ein schönes Beispiel, wie eine interessante Kickstarter-Kampagne gegen die Wand gefahren wurde. Gestern wurde den Backern der CMOAR VR-Brille bekannt gegeben, dass sie keine Brille erhalten werden. So kann‘s kommen.

Aber der Reihe nach. Anfang 2015 hatte die polnische Firma Cmoar mit ihrer interessanten VR-Brille gut 120.000 € Funding-Kapital eingesammelt und wollte den Unterstützern dann bereits 5 bis 6 Monate später ein fertiges Produkt ins Haus liefern.

Das Featureset (unterschiedliche Aufsätze für VR, 3D-Film und 2D sowie ein eingebauter Bewegunssensor) machten die Brille spannend, so dass gut 540 Backer sich auf ein tolles Produkt gefreut hatten.

Dass der enge Zeitplan nicht zu halten war hatte ich ja damals schon vermutet. Und so kam es denn auch. Wie so oft wurde die Auslieferung geschoben. Immerhin hat Cmoar im Vergleich zu anderen Projekten doch ansatzweise oft Neuigkeiten gepostet. Das eigentliche Problem der Geschichte wurde dann auch relativ schnell klar. Cmoar gab sich nicht mit dem Zufrieden, was sie in der Kampagne präsentiert hatten.

Sieht eindeutig besser aus als der erste Versuch - cmoar VR-Brille (Bild: ©cmoar)

Sah mal ganz anders aus – cmoar VR-Brille (Bild: ©cmoar)

Was kostet die Welt?

Das Design wurde komplett umgekrempelt, die Technik aufgebrezelt, Add-Ons ausgedacht… das ganze Freaturietis-Programm also, was von der eigentlichen Produktentwicklung ablenkt.

Es ist natürlich klar, dass wenn man ein Produkt vom Prototyp zur Serienreife bringt so einige Probleme auftauchen, die gelöst werden wollen. So kann ich durchaus nachvollziehen, wenn man feststellt, dass das eine oder andere Feature sich nicht in Serie zu vertretbaren Kosten umsetzen lässt.

Leider, leider erlag Cmoar dann aber wohl doch der Versuchung, ein bisschen mehr als nötig abzuändern und den Fokus zu verlieren. Wer mit seinem Hauptprodukt weit hinter dem Zeitplan hängt und vermutlich schon absehen kann, dass die Umsetzung nicht trivial wird, handelt wohl doch recht fahrlässig, wenn er Kraft in die Entwicklung von weiteren Produkten steckt. Ein VR-Suite, wie er von CMOAR vorgestellt wurde war zwar interessant, hat aber aus oben genannten Grund nicht wirklich Gefallen bei den Unterstützern geweckt.

So ist es denn nicht verwunderlich, dass Cmoar nun den Schiffbruch gestanden hat und die Backer sich fragen, ob sie jemals ihr Geld oder einen entsprechenden Gegenwert wieder sehen. Natürlich verkauft Cmoar seinen Absturz als weiche Landung. Man sei mit diversen Investoren in fortgeschrittenen Verhandlungen und wenn einer anbeißt, werden natürlich alle Unterstützer 1:1 ausbezahlt. Auch die, die mittlerweile über indiegogo vorbestellt haben, sollen so an ihr Geld kommen.

Lieber Ressourcen in weitere Produkte wie ein VR-Suite verschwenden... (Bild: ©cmoar)

Lieber Ressourcen in weitere Produkte wie ein VR-Suite verschwenden… (Bild: ©cmoar)

Fragezeichen

Jetzt stellt sich nur die Frage, ob a) ein Investor auch wirklich gefunden wird und ob der b) auch gewillt sein ist, das Geld für einen Refund locker zu machen. Klingt in meinen Ohren nach einer Menge „wenns“.

Auch die Information, dass man mit der Produktion schon sehr weit sei ist etwas seltsam. Entweder ist man so weit, dass die Produktion anlaufen kann (was vermuten lassen würde, dass die Herstellungskosten pro Stück vermutlich die bereits bezahlten Preise deutlich übersteigen werden) oder man ist doch noch nicht ganz so weit wie behauptet (was die Suche nach einem Investor schwer machen dürfte).

Unter dem Strich ist es jedoch egal, aus welchem Grund der aktuelle Weg gewählt wurde. Die Unterstützer werden mit durchaus gegebener Wahrscheinlichkeit leer ausgehen. Hier kann man also wieder schön sehen, dass trotz guter Präsentation, Prototypen und stetigen Updates es nie eine Sicherheit bei Crowdfunding-Projekten gibt, auch wirklich am Ende einen Gegenwert für sein Geld zu bekommen.

Und wirklich gefährlich sind nun leider die Projekt, die gut vorbereitet daher kommen. Da ist es dann auch schwer Empfehlungen abzugeben, wie man sich davor schützen kann. Denn die üblichen Anzeichen (nur 3D-Rendergings, ausufernde und komplexe Stretchgoals, keine Videos von funktionierenden Prototypen) greifen leider nicht immer.

Tl;dr

Cmoar hat den Backer mitgeteilt, dass ihre VR-Brille nicht ausgeliefert wird. Ob es einen Refund geben wird steht in den Sternen.

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