Quatsch der Woche – Chordelia Guitar Machine

Ah, endlich mal wieder ein Quatsch der Woche: die Chordelia Guitar Machine ist ein schönes Beispiel für ein Projekt, das auf den ersten Blick für so manchen ganz verlocken aussehen müsste, bei genauerem Hinsehen sich jedoch als ziemlich überflüssig erweisen dürfte.

Bei der Chordelia Guitar Machine handelt es sich um eine recht ausladende Mechanik, die es einem, dem Gitarre spielen unkundigen Mitmenschen ermöglichen soll, auch ohne die entsprechenden Fingerfertigkeiten Akkorde auf einer Gitarre zu greifen. Sechs Akkorde stehen zur Auswahl: A Moll, G, F, C, D und E Moll. Also eher für die gedrückte Stimmung.

Klingt natürlich wie ein Traum für jeden Singer/Songwriter (wie ich diesen Begriff hasse). Heißen ja schließlich nicht Singer/Gitarrist/Songrwriter (was es aber auch nicht schlimmer machen würde).

Chordelia Guitar Machine, das Mechanik-Wunder

So entpuppt sich die Chordelia Guitar Machine als ein Prachtbeispiel hölzlicher Feinmechanik. Über Seilzüge werden bei Betätigung eines Akkord-Hebels kleine Drücker in Gang gesetzt, die dann den Akkord greifen. Das sieht aus rein handwerklicher Sicht sehr beeindruckend aus.

Leider ist der Apparat dadurch sehr klobig geraten. Das bedingt dann auch, dass man mit angebauter Chordelia Guitar Machine die Gitarre in kein Case oder Gigbag mehr rein bekommt. Ich gehe auch mal davon aus, dass das Teil die Klampfe sehr Kopflastig machen wird.

Wie gut die im Video gezeigt Klemmung für den Hals ist, dürfte auch eine gute Frage sein. Wenn man hier zu fest zieht kann das durchaus Kerben in den Hals drücken. Aber wer so ein Gerät sich anschafft wird vermutlich eh kein hochwertiges Instrument besitzen.

Immerhin reden wir hier von einem rein mechanischen Gerät. Man muss sich also nicht mit Batterien und Motoren herumschlagen.

Lern-Hemmnis

Kommen wir zur großen Sinn-Frage. Warum sollte man sich so ein Teil anschaffen?

Den Gedanken „Ich kann nicht Gitarre spielen. Damit kann ich es ohne Aufwand.“ sollte man schnell beiseitelegen. Denn wer keine Gitarre spielen kann wird auch mit der Chordelia Guitar Machine nicht „out of the Box“ Musik fabrizieren. Die rechte Hand will nämlich auch trainiert werden, damit aus Rumgeschrammel erträgliche Klänge werden.

Die im Video gezeigten Musiker dürften allesamt des Gitarrenspiels kundig sein. Da ist kein Anfänger dabei. Und wenn man die rechte Hand nach ein paar Tagen gemeistert hat bleibt man dann auf der Stelle stehen. Man wird nie mehr als 6 Akkorde spielen können.

Ich gebe Euch einen Tipp. Nehmt die 250 Euro, die das Teil kostet. Schlagt das entweder auf das Geld drauf, dass ihr für eine Gitarre investieren wollt oder tragt es zu einem Gitarrenlehrer eurer Wahl. Die Akkorde sind auch für einen blutigen Anfänger in wenigen Tagen zu lernen.

Ich gehe jede Wette ein, dass jeder hier, der von heute bis zur geplanten Auslieferung im Januar 2018 täglich 10 Minuten sich mit seiner Gitarre beschäftigt, die sechs Akkorde so gut drauf hat, dass ihm der Gedanke an so einen Klopper am Hals nur noch ein mitleidiges Grinsen ist Gesicht zaubern wird.

 

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