Boss V-BDN VG-Strandberg Gitarre – BODEN-los top?

Teurer Traum – Boss V-BDN VG-Strandberg (Bild: ©  2017 Roland Corporation)

Ja, endlich ist sie da, die Boss V-BDN VG-Strandberg. Die Zusammenarbeit von Strandberg Guitars und Boss/Roland geisterte ja schon etwas länger rum. Werfen wir mal einen Blick darauf, ob das Ergebnis auch etwas taugt.

Eins vorweg: Als alter Synthie-Gitarrist habe ich bei der Geschichte so ein wenig meine eigene Sichtweise. Ich hatte sie alle. Naja, zumindest so einige. Roland GR707, Ibanez IMG2010, Zeta Mirror 6, ein paar normale mit GK2-Pickup. Aktuell spiele ich mit einer Vester The Argus/GK-3 Pickup-Kombination auf einem Roland GR-55.

Die Sammlerei habe ich schon vor ein paar Jahren an den Nagel gehängt. Mit der Vester bin ich so wie sie ist sehr zufrieden. Flottes Holz, gute Ergonomie, coole Optik. Nichts desto trotz gibt es zwei Gitarren, bei denen ich sofort schwach werden würde: die Parker Fly und die Strandberg Boden.

Traumpärchen

Die Parker Fly weil ich noch keine Gitarre in der Hand hatte, die einen flacheren und schneller Hals hatte. Von der Erreichbarkeit der oberen Lagen will ich gar nicht erst anfangen. Leider werden die aktuell nicht mehr hergestellt. Laut Website wird zwar ein Relaunch 2018 angedacht, nur wer weiß, was dabei rauskommt (und was es kosten wird).

Gebraucht sind die Parker Flys auch schwer zu bekommen. Wenn mal eine angeboten wird haben die meisten doch erhebliche Lackschäden. Hinzu kommt, dass sich bei manchen wohl ganz gerne mal das dünne Carbon-Griffbrett vom Hals löst. Totalschaden.

Der andere Kandidat ist die Strandberg Boden. Dieses von Ola Strandberg entworfene Headless-Geschoß ist ja schon länger kein Geheimtipp mehr. Gerade mal etwas über 2 Kg schwer, perfekte Ergonomie, coole Optik, grandiose Bespielbarkeit dank speziellem Hals-Shaping und Fanned Frets. Ein (leider nicht billiger) Traum.

Leider habe ich noch keine Starndberg anspielen können. Die Teile sind so begehrt, dass sie in normalen Musikläden eigentlich nicht stattfinden. Das schlägt sich dann auch im Preis nieder. Selbst die „günstigen“ Indonesien-Modelle kratzen an der 2000 Euro-Marke. Jetzt ratet mal, warum bei mir noch keine ein neues Zuhause gefunden hat.

Boss V-BDN VG-Strandberg unter der Lupe

Aus Sicht des alten Gitarren-Synthesizer-Fans wäre nun eine Strandberg Boden mit GK-3 Pickup also das Höchste aller Gefühle. Und jetzt kommt Boss mit der Boss V-BDN VG-Strandberg auf den Markt. Geburtstag und Weihnachten zusammen?

Leider nicht ganz. Als erstes wäre da der Preis. Mit gut 4500 Euro ist das Teil echt kein Schnäppchen. Das ist dem Weihnachtsmann leider zuviel. Zumal ich nicht herausfinden konnte, wo die Boss V-BDN VG-Strandberg hergestellt wird. Nicht, dass in Indonesien keine guten Gitarren gebaut werden können. Aber ein wenig Einfluss hat das Herstellungsland angeblich ja letztendlich doch auf Preis und Qualität. Wobei… ach schwer zu beurteilen.  Update 13.09.17: Wie mir Boss mitgeteilt hat wird die V-BDN in Japan hergestellt. Japan-Strandbergs liegen i.d.R. so um die 3300 bis 4000 Euro. So gesehen kommt der Preis wohl hin. Letztendlich auch egal. Es ist eindeutig zu viel, damit ich das für mich rechtfertigen könnte. Dafür spiele ich zurzeit zu wenig.

Es gibt aber noch ein paar Punkte, die mich stören. Die Boss V-BDN VG-Strandberg hat eine Menge Elektronik eingebaut. Quasi ein Roland VG99 zum tragen. Zusätzlich kommen dann noch ein paar Synthessizer-Sounds des GR-300 Guitar Synthesizer aus den 80ern sowie umfangreiche Möglichkeiten, das Tuning zu verändern hinzu.

Das ist alles sehr cool. Nur warum wird das alles verbaut, ohne den GK-3-Pickup nach draußen zu führen. Man kann die Boss V-BDN VG-Strandberg nicht an einen GR-55 anschließen, weil diese nur einen Klinken-Anschluss hat. Auf den klassischen 13-Pol-Stecker wurde verzichtet. Schlimmer noch. Da ja schon ein GK-3 Pickup verbaut ist bekommt man keinen externen mehr dran. Kein Platz. Echt ärgerlich. So fällt die Ansteuerung eines externen Gitarren-Synthesizers bei der Boss V-BDN VG-Strandberg komplett weg, obwohl Nutzer solcher Geräte ja eigentlich Hauptzielgruppe sein dürften.

Technik will verstaut werden – ne Menge Klappen (Bild: © 2017 Roland Corporation)

Lass man gerade sein

Leider sind auch die Fanned Frets weggefallen. Sicherlich kann man über Vor- und Nachteil der schräggestellten Bünde streiten. Dürfte Geschmackssache sein. Ich finde es schade, erleichtern sie einem doch Bendings über alle Bünde deutlich.

Update 9.9.17: Typischer Fall von Tomaten auf den Augen. Oder vielleicht auch nur eine Frage der Perspektive. Natürlich ist die V-BDN mit Fanned Fretts ausgestattet. Wird auf grund der schrägen Abbildung nur nicht so deutlich. Als „Entwarnung“

So kann man glaube ich auch davon ausgehen, dass die Gitarre auch mit dem Enduroneck der normalen Strandbergs ausgestattet ist.  Dieser sorgt dafür, dass durch die Form der Daumen in den höheren Lagen automatisch weiter nach unten wandert. Bilder der Gitarre von hinten habe ich leider nicht finden können. Werde ich zu not einfach nachreichen. Bis dahin muss die Abbildung einer normalen Strandberg ausreichen, damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, was ein Enduroneck ist. Update 13.09.17: Ja, auch der EnduroNeck wurde mir von Boss bestätigt. Also alles bestens.

Ein wenig schade ist auch der Umstand, dass es die Boss V-BDN VG-Strandberg nur als 6-Saiter gibt. Der Erfolg der Strandberg-Gitarren liegt zum Teil ja auch darin, dass die 7- und 8-Saiter-Fraktion hier sehr gut bedient wird. Naja, ich vermute mal, dass die Anpassungen, die am Pickup nötig gewesen wären, die Sache zu komplex/teuer für Roland machen würde. Jetzt kann man natürlich auch sagen, dass die fehlenden Saiten durch die schnell umzuschaltenden Tuning-Änderungen aufgefangen werden. Wer aber gewöhnt ist, seine Läufe über 7, 8 oder 9 Saiten laufen zu lassen wird sich wohl kaum daran gewöhnen wollen, statt mit der rechten Hand die Saite zu wechseln einen Schalter umzulegen.

So gesehen handelt es sich bei der Boss V-BDN VG-Strandberg aus meiner Sicht zwar sicherlich um ein tolle Instrument, leider jedoch nicht um einen absoluten Volltreffer. Das lindert den Schmerz über den Preis, der mein aktuelles Budget übersteigt dann doch etwas. So BODEN-los ist die Ungerechtigkeit, dass ich mir keine kaufen kann dann also doch nicht. Aber antesten würde ich sie doch gerne mal. Fragt sich nur, wo? Bei eine Limitierung auf 80 Stück dürfte es schwer werden, einmal eine in die Hände zu bekommen.

Update 10.09.2017: Ah, noch ein paar Statements von Ola himself

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