Aircon Watch – kleinste Klimaanlage der Welt oder Quatsch der Woche?

Die kleinste Klimaanlage der Welt… oder so ähnlich. Die Aircon Watch (Bild: kickstarter/ © airconwatch)

Ich liebe Kickstarter-Kampagnen wie die Aircon Watch, zeigen sie doch, dass die Dummheit Fantasie der Menschheit im Gegensatz zum Universum unendlich ist. Die Aircon Watch soll eine Klimaanlage für das Handgelenk sein. Na, ob das wohl funktioniert?

Den Komfort einer Klimaanlage weiß sicherlich jeder von Euch zu schätzen. In unseren Breiten sind die Dinger zuhause zwar eher seltener anzufinden, in Auto, Büro und Supermarkt würden wie in einem heißen Sommer wohl kaum drauf verzichten wollen. Moooooment, heißer Sommer? Was war das noch mal? Aber jetzt nicht vom Thema ablenken.

Ähnlich verhält es sich mit Kälte. Nun sind in unseren Breiten die Häuser zweifelsohne in der großen Masse mit brauchbaren Heizungsanlagen bestückt. Trift aber analog der Klima-Anlage nicht auf alle Länder zu. Und dann?

Kühlen Kopf bewahren, Aircon Watch

Die Leute von Airconwatch sind auf die Idee gekommen, nicht die Umgebungstemperatur zu ändern sondern das Temperatur-Gefühl der jeweiligen Personen. Dies wollen sie mit ihrer Aircon Watch respektive einem magischen Element im Armband der Uhr erreichen.

Die Idee dahinter kling im Grunde ganz interessant. Das Kälteempfinden des Menschen wird ja irgendwie vom Gehirn gesteuert. Damit das die richtigen Entscheidungen treffen kann ist es auf die Informationen der Temperaturrezeptoren der Haut angewiesen. Mit einer nicht näher genannten Technik will die Aircon Watch nun die Signale ändern, damit das Gehirn falsche Schlüsse zieht.

Laut einer in der Kampagne nicht genauer erwähnten Studie der Stanford Universität soll dies hauptsächlich über die Handgelenke passieren. Ja, mit den Studien ist das immer so ein Ding. „Es gibt da eine Studie“ ist in etwa genauso belastbar, wie wenn man an halbherzig memorierten Zahlen von Statistiken ein „Komma 3“ dran hängt, damit es glaubwürdiger klingt.

Und selbst wenn auf eine direkte Studie verwiesen wird heißt es noch lange nicht, dass die auch verifiziert und peer reviewd ist sowie die richtigen Schlüsse draus gezogen worden sind.

Ein Hoch auf den rechten Winkel. Auch aus gestalterischen Gesichtspunkten wird einem bei der Uhr heiß und kalt gleichzeitig. (Bild: kickstarter/ © airconwatch)

Hand auf’s Herz

Jetzt stellen wir uns trotzdem vor, diese Studie ist belastbar. Stellt sich immer noch die Frage, wie a) die zielgerichtete Manipulation der Nervensignale von sich gehen soll und b) ob sich der Körper durch Impulse an einer kleinen Stelle wirklich soweit verwirren lässt, dass einem auf einmal nicht mehr kalt oder warm sein soll.

Ich bin da skeptisch und wage folgende Prognose. Wenn bei der Kampagne am Ende tatsächlich ein Produkt den Backer erreicht wird es sich bei der Aircon Watch um eine recht klobige Digitaluhr handeln, die lediglich ein in der Temperatur steuerbares Element im Armband hat. So nach dem Motto: Mir ist kalt also drehe ich mal das Armband etwas wärmer.

Ob das reichen wird, eine Klimaanlage zu ersetzen? Hängt wohl von der Einbildungskraft der tragenden Person ab. Wobei die ja letztendlich doch deutlich leichter zu beeinflussen sein dürfte als das Nervensystem eines Menschen. Denn da sorgt ja schon der „Haben wollen“-Effekt für, dass man sich so einiges schönreden kann. Ich glaube eher nicht dran.

Aber Vorsicht: Ist cool, man!

Und für den Fall, dass das doch alles so funktioniert würde noch der komplette Frageblock offen stehen, welche gesundheitlichen Auswirkungen das haben könnte. Stellen wir uns mal folgende Szenario vor: Hochsommer, 30 Grad, kein Schatten. Der halb-fitte Aircon Watch-Nutzer bestreitet einen etwas längeren Jedermann-Lauf und dreht die Klimaanlage am Handgelenk auf volle Kühlung. Der Körper stellt das Schwitzen ein und dann…

Kann mir vorstellen, dass die Sanitäter dann demnächst recht viele überhitzte Hobbyläufer von der Strecke holen. Die körpereigene Temperatursteuerung ist ja nicht so ganz nutzlos. Eine komplett sorglose Nutzung einer funktionierenden Aircon Watch könnte also mit gewissen Risiken verbunden sein.

(Bild: kickstarter/ © airconwatch)

Flotte Lotte

Aber wer 75$ plus Nebenkosten übrig hat kann gerne einen Versuch starten. Wer jemals dafür etwas erhält kann sich gerne mal bei mir melden und seine Erfahrungen mitteilen. Ach ja, das Lieferdatum Dezember 2017 ist natürlich genau so fragwürdig wie das Produkt an sich. Die Kampagne läuft noch bis Oktober, Geld bekommt Aircon Watch dann irgendwann im November und die Produktentwicklung ist auch noch nicht 100% final. Wer so einen kurzfristigen Lieferstart verspricht muss entweder a) ein bereits fertiges Produkt vorweisen, bei dem die ersten Exemplare bereits jetzt in Serie produziert werden, b) völlig blauäugig bezüglich der Entwicklungszeiten bis hin zu einem in Serie produzierbaren Gerätes sein oder c) den Kunden absichtlich für dumm verkaufen.

Welcher der drei Punkte hier zutrifft kann ich natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Meine Vermutung halte ich aber lieber mal für mich.

Die kleinste Klimaanlage der Welt beleibt in den Abmessung also wohl doch eher heisse Luft.

Veröffentlicht in Allgemein, Crowdfunded, Gadget Getagged mit: ,